Mama-Sein

Abgestillt.

23. Mai 2020
abgestillt

Acht Monate habe ich Lorenz damals gestillt. Mindestens genau so lange wollte ich Luisa stillen, das war mein persönliches Ziel. Wenn es länger dauern würde, auch kein Problem, denn ich habe das Stillen immer geliebt. Was war ich glücklich, dass es bei Luisa auf Anhieb gut geklappt hat, sie hatte – im Gegensatz zu ihrem Bruder, der etwas Unterstützung brauchte – den Dreh sofort heraußen. Ich war so glücklich.

Es war von Anfang an perfekt. Schon im Kreißsaal hat sie ‚angedockt‘ und die Hebamme mit ihrem Hunger und der Selbstverständlichkeit fast schon überrascht. Rein anatomisch wäre es für meine Kinder nämlich nicht so einfach, wurde mir gesagt. Lorenz brauchte deshalb die ersten drei Monate ein Stillhütchen als Unterstützung. Bei Luisa war das nicht notwendig, sie war ein kleiner Nimmersatt und brauchte keinerlei Hilfe. Es war der Anfang einer wunderbaren, harmonischen Stillbeziehung. Anfängliche, kleine Wehwehchen meinerseits hatten wir schnell im Griff. Und so habe ich Luisa die ersten vier Lebensmonate ausschließlich gestillt. Ab und an gab es Muttermilch aus dem Fläschchen, was ich übrigens schon bei Lorenz so gemacht habe und absolut empfehlen kann, um die Akzeptanz für das Fläschchen zu stärken und sich hin und wieder etwas ‚Freiheit‘ verschaffen lässt. Das Abpumpen empfand ich allerdings immer als zeitaufwändig und mühsam…

Und dann kam der Beikoststart. Wieder absolut unkompliziert, die kleine Madame wollte gleich alles probieren, was wir ihr anboten und hat mit Freude gegessen. Ist ja klar, das große Vorbild, der ältere Bruder, hat ja auch genüsslich gespeist. Auch die ersten Zähne kamen relativ rasch, mit viereinhalb Monaten waren sie da, die beiden unteren Schneidezähne. Und damit ging es los – das Beissen. Immer wieder hat mich Luisa beim Stillen gebissen, natürlich nicht absichtlich. Telefonate mit der Kinderärztin und einer Stillberaterin bestärkten mich darin, trotzdem weiter zu stillen. Ich wollte es selbst auch so sehr und keinesfalls deshalb damit aufhören. Mit ein paar Tricks bekamen wir es ziemlich gut in den Griff und ich konnte mich wieder entspannen – das ist meiner Meinung nach so wichtig beim großen Thema ‚Stillen‘. Es müssen beide wollen. Aber schon da kam mir vor, dass ich es mehr wollte, als sie.

Und dann hatten wir Ende Jänner die Grippe – Influenza Typ A H3N2 hat uns voll erwischt. Alle vier. Tapfer habe ich mich ohne Medikamente – weil ich ja stillte – durchgekämpft. Mit Fieber gar nicht so einfach… Aber alles für das Baby habe ich mir gesagt. Und was macht eben dieses Baby? Will nicht mehr. Von einem Tag auf den anderen, aus dem nichts, hat sie die Brust verweigert. Es war wie ein Schlag ins Gesicht. Immer wieder habe ich sie ihr angeboten. Nein. Demonstrativ hat sie sich weggedreht, sich von mir weggedrückt. Mit achteinhalb Monaten. Zum Glück hatte ich eine Packung Per-Nahrung im Vorratsschrank. Eigentlich für einen ‚richtigen Notfall‘ – falls ich einen Unfall hätte und im Krankenhaus landen würde zum Beispiel. Nun war der Notfall allerdings Brustverweigerung. Luisa wollte partout nicht mehr gestillt werden. Ein allerletztes Mal haben wir es noch mit einem Stillhut probiert – ein Trick um das Beißen weniger schlimm zu machen. Dann war Sendepause. Und ich habe geheult, hemmungslos. Warum wollte sie nicht mehr? War es ihr wegen dem Schnupfen zu mühsam? Hat ihr die Muttermilch nicht mehr genügt? Eine Antwort für dieses plötzliche Abstillen werde ich wohl nie bekommen. Und dabei hatte ich es mir so schön ausgemalt – ich wollte diesen einen, romantischen Abstillmoment. Noch einmal ganz intensiv diese ganz besondere Zweisamkeit genießen. Jeden Moment aufsaugen. Vielleicht war es ja das letzte Mal, dass ich ein Kind auf diese Art ernähre. Aber dieser Moment war mir nicht vergönnt. Und ich war so sauer. Auf mich, auf sie, auf die Welt. Dabei sollte ich – im Nachhinein betrachtet – dankbar sein. Dankbar dafür, dass ich beide Kinder etwa gleichlang stillen konnte. Dass ich ihnen ‚das Beste‘ geben konnte. Dass das Abstillen zumindest für Luisa einfach war, ohne Drama, ohne Strenge. Für sie war es wohl der richtige Zeitpunkt und deshalb musste ich es akzeptieren. Auch wenn ich heute, fast vier Monate später, immer noch damit hadere.

Warum ich das mit der Welt teile? Einfach weil es meine Art ist, das ganze zu Verarbeiten. Man liest so oft, dass es Mutter und Kind schwer fällt, die Stillbeziehung zu beenden. Da ist das Kind in vielen Fällen schon weit über ein Jahr alt. Und wisst ihr was? Obwohl ich mich glücklich schätze, überhaupt diese achteinhalb Monate gestillt zu haben, hätte ich es sooo gerne noch länger getan. Und bei der Entscheidung abzustillen, mitgemacht. Jede Stillbeziehung zwischen Kind und Mutter ist einzigartig. Keine ist falsch. Jede Mutter gibt ihr bestes. Es ist kein Wettkampf, es ist kein Kräftemessen. Jeder hat seinen Weg. Das ist unserer.

Alles Liebe, Maria

Foto: rosa fotografiert

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